Wie kam es zu der Grenzziehung zwischen Lünen und Altlünen, wodurch die ehemals bestehende politische Einheit verloren ging?

Vor mehr als 1000 Jahren wurde der große Bogen, den die Lippe hier bei uns macht, nach Norden hin von den 4 Bauerschaften Südlünen, Nordlünen, Alstedde und Wethmar ausgefüllt. Jede von ihnen bestand aus 8-10 Gehöften. Die Höfe Südlünens lagen in dem Raum zwischen Lippe und Wevelsbach. Gemeinsam wurden sie nach der Christianisierung der Kirche in Werne zugeteilt, Im Jahre 1018 erhielten sie ihr eigenes Gotteshaus. Es wurde am Nordufer der Lippe, also im damaligen Südlünen, erbaut, und fortan gehörten die 4 Bauerschaften demselben Kirchspiel an, bildeten damit kirchlich eine Einheit.

Politisch gehörten sie zum Herzogtum Sachsen, das Heinrich dem Löwen unterstand. Als dieser wegen seiner Auflehnung gegen Kaiser Friedrich Barbarossa 1180 in den Bann kam, wurde ihm das Herzogtum genommen. Seine Rechte über das südliche Westfalen gingen an den Erzbischof von Köln, über das nördliche Westfalen an den Bischof von Münster. Die Lippe trennte die beiden Machtbereiche. Unsere 4 Bauerschaften unterstanden damit auch politisch demselben Landesherrn.

Inzwischen hatte sich die Bauerschaft Südlünen zu einem Marktflecken oder Kirchdorf entwickelt. Es hatten sich um die Kirche und an dem wichtigen Lippeübergang Handel- und Gewerbetreibende niedergelassen. Der Bischof erkannte bald die große Bedeutung des Ortes am Südrand seines Territoriums, ließ ihn mit Mauern umgeben und machte ihn so zu einer Grenzfeste, die den Zugang ins Münsterland versperrte. Trotzdem gab er diesen für ihn so wichtigen Ort aus der Hand, indem er ihn für eine Leihgabe von 1000 Mark an den Grafen Eberhard von der Mark verpfändete. Das war im Jahre 1302.

Die Grafen von der Mark hatten ihr Machtgebiet von ihrer Stammburg Mark, östlich von Hamm gelegen, an dem Südufer der Lippe entlang ausgedehnt. Nichts konnte dem derzeitigen Grafen Eberhard willkommener sein als die Grenzfeste des Bischofs in seine Hand zu bekommen. Er besetzte darum Lünen, wie der Ort seit langem nur noch genannt wurde, sofort mit seinen Burgmannen und zog die Einkünfte aus Märkten und Zöllen ein, betrachtete ihn also als sein Eigentum. In den folgenden Jahrzehnten versuchten die Bischöfe von Münster vergeblich, die verpfändete Stadt zurückzubekommen.

Um das für alle Zeit auszuschließen, fasste Graf Adolf II. den Entschluss, die Stadt auf das südliche Ufer der Lippe zu verlegen. Das wurde in den Jahren 13361341 durchgeführt.

Nur ein paar Häuschen blieben um Kirche und Pfarrhaus stehen. Trotzdem gaben der Graf von der Mark und seine Nachfolger ihre Ansprüche auf den verödeten Ortsteil und der ihm vorgelagerten Feldmark bis zum Wevelsbach nicht auf.

Sie umgaben ihn mit Wällen und Gräben und machten ihn so zu einem starken Brückenkopf gegen Münster.

Damit ging die ehemals politische Einheit der Altstadt mit den 3 Ortsteilen der Gemeinde Altlünen endgültig verloren.

Zu einer vertraglichen Regelung über diese Grenzziehung kam es zunächst nicht.

Erst 1575 schlossen die beiden Parteien einen endgültigen Vertrag ab.

1609 fiel die Grafschaft Mark und damit auch Lünen bis zum Wevelsbach an Brandenburg-Preußen, die Bauerschaften Alstedde, Nordlünen und Wethmar aber blieben weiterhin beim Fürstbistum Münster. Dieser Zustand hielt sich bis zum Jahre 1803. Dann wurden auch sie durch die Aufhebung des Fürstbistums preußisch.

Das Königreich Preußen ging bald daran, die neuerworbenen Gebiete in Kreise und Regierungsbezirke aufzuteilen. Die Besetzung durch Napoleon unterbrach dieses Vorhaben.

Erst 1815 kam es zur Durchführung. Auch bei dieser Neuaufteilung wurde in unserem Raum an den bestehenden Grenzen nichts geändert, so dass fortan der Wevelsbach die Regierungsbezirke Arnsberg mit der Stadt Lünen und Münster mit der Gemeinde Altlünen voneinander trennte.

Vor rd. 670 Jahren wurde diese Trennungslinie gezogen, und sie ist es geblieben bis auf den heutigen Tag. Ob nun eine Änderung eintreten wird, wird die Gebietsreform ausweisen. Siehe hierzu den Bericht „Aus der Geschichte Altlünens“

Zusammengestellt aus Bericht von Alois Siegeroth

Horrido

Ingo Schinck

(Geschäftsführer)